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Politiker spielen "Rente sich wer kann"

Familienbund und LWH veranstalten politische Diskussion zur Rente

Familienbund und LWH veranstalten politische Diskussion zur Rente.
Daniela De Ridder, Johannes Kröger und Maria Klein-Schmeink (v.l.n.r.) spielen "Rente sich wer kann".

Unterschiedliche Zukunftsmodelle für das Rentensystem diskutierten Fachpolitiker aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen am 20. August in Lingen. Eingeladen hatten der Familienbund der Katholiken und die Lingener Akademie Ludwig-Windthorst-Haus (LWH). Rund 20 Vertreter von verschiedenen Organisationen aus den Regionen Emsland und Osnabrück nutzten die Gelegenheit, um sich über die Positionen der Parteien zu informieren und mit zu diskutieren.

Einen ungewöhnlichen Beginn hatten sich die Organisatoren des Abends für die Politik ausgedacht. Die teilnehmenden Politiker, Norbert Böhlke (CDU) aus Seevetal, Daniela De Ridder (SPD) aus Schüttorf, Gabriela König (FDP) aus Osnabrück, Jutta Krellmann (Die Linke) aus Hameln und Maria Klein-Schmeink (Grüne) aus Münster wurden zu einem überdimensionalen Spiel eingeladen.

Nach dem Muster des guten alten "Mensch ärgere dich nicht" bekamen die Mitspieler von Johannes Kröger, Studienleiter beim LWH, die Aufgabe, ihre Spielfiguren durch Würfeln ins Ziel zu bringen. Die Startbedingungen waren jedoch unterschiedlich. Während Maria Klein-Schmeink sich beispielsweise als Alleinerziehende mit vier Kindern auf den Weg machen musste, konnte Daniela De Ridder das Spielfeld als Single umrunden. Schnell war klar, dass der Weg mit Kindern beschwerlicher ist und länger dauert. Hinzu kam, dass nur gewinnen konnte, wer drei Figuren im Ziel hatte. Da musste der Single zwangsläufig auf die Kinder der anderen Mitspieler zurückgreifen. Die bewusst unfair gestalteten Spielregeln ließen das auch zu.

Das Spiel namens "Rente sich wer kann" machte den Politikern und Gästen der Veranstaltung schnell klar, wo Kritik am Rentensystem geäußert werden sollte. "Eltern werden doppelt belastet", machte Peter Klösener, Geschäftsführer des Familienbundes, deutlich. Sie sorgten durch die Kindererziehung dafür, dass der Generationenvertrag überhaupt Bestand habe. Allerdings koste das Zeit und Geld und meist bekämen sie später auch noch weniger Rente als Kinderlose, weil sie nicht durchgängig erwerbstätig sein konnten. Daher, so Klösener, müssten Mütter und Väter geringere Rentenbeiträge zahlen.

Die entsprechenden Forderungen des Familienbundes stellte Reinhard Loos, Bundessachbeauftragter des Familienbundes für Steuern, Transfer und Soziale Sicherheit, vor. Das Rentensystem müsse grundlegend reformiert werden, damit es auch in Zukunft noch funktioniere. Dazu hätten die katholischen Verbände das Modell einer solidarischen und familiengerechten Alterssicherung entwickelt. Es bestehe aus drei Säulen: einer Sockelrente für alle, einer Arbeitnehmer-Pflichtversicherung nach dem bisherigen System und zusätzlicher betrieblicher und privater Vorsorge. Für Versicherte mit 40 Beitragsjahren und durchschnittlichem Verdienst ergebe sich dann aus den ersten beiden Stufen ein Rentenanspruch von rund 1.172 Euro brutto.

Die Notwendigkeit einer Reform des Rentensystems wurde von allen anwesenden Politikern bestätigt. Gegenüber dem Vorschlag des Familienbundes, bei der Beitragshöhe nach der Zahl der Kinder zu unterscheiden, gab es jedoch Bedenken. Das könne zurzeit den Bürgern kaum vermittelt werden, sagte Maria Klein-Schmeink.

Weitgehende Einigkeit herrschte bei den Politikern darin, dass Mütter für ihre vor 1992 geborenen Kinder einen höheren Rentenanspruch bekommen müssten. Bisher wird hier pro Kind nur ein Rentenpunkt gutgeschrieben, während Mütter für ab 1992 geborene Kinder drei Rentenpunkte angerechnet bekommen. Wie hoch der Anspruch dann sein soll und wie schnell die Umsetzung gehen kann, da mochte man sich jedoch nicht festlegen. Meist wurde auf die Frage der Finanzierbarkeit verwiesen.

Die Überschrift des Abends "Rente sich wer kann" bezeichnet gleichzeitig eine bundesweite Kampagne des Familienbundes.

Der Familienbund der Katholiken im Bistum Osnabrück vertritt die Interessen von Eltern und Kindern in Politik, Gesellschaft und Kirche. Er ist der Dachverband von 15 Mitgliedsverbänden und Einrichtungen der Familienbildung. Im Bistum Osnabrück bündelt der Familienbund die familienpolitischen Positionen von rund 80.000 Mitgliedern.

Weitere Informationen:
www.familienbund-osnabrueck.de
www.rente-sich-wer-kann.org